{"id":442,"date":"2001-04-20T21:47:17","date_gmt":"2001-04-20T19:47:17","guid":{"rendered":"http:\/\/schloss-reinhardsbrunn.de\/?p=442"},"modified":"2019-03-23T14:22:08","modified_gmt":"2019-03-23T12:22:08","slug":"die-ludewinger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schloss-reinhardsbrunn.de\/?p=442","title":{"rendered":"Die Ludewinger"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schloss-reinhardsbrunn.de\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/ludewinger-1024x601.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-809\" width=\"1450\" height=\"851\" srcset=\"http:\/\/www.schloss-reinhardsbrunn.de\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/ludewinger-1024x601.jpg 1024w, http:\/\/www.schloss-reinhardsbrunn.de\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/ludewinger-300x176.jpg 300w, http:\/\/www.schloss-reinhardsbrunn.de\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/ludewinger-768x451.jpg 768w, http:\/\/www.schloss-reinhardsbrunn.de\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/ludewinger.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1450px) 100vw, 1450px\" \/><\/figure>\n\n\n<p><strong><br>\n&#8222;Ludwig I. &#8220;&nbsp; Landgraf von Th\u00fcringen<\/strong> (1130-1140)<br>\num 1090 &#8211; 12.1.1140 Reinhardsbrunn \/ Begraben: Kloster Reinhardsbrunn<\/p>\n<p>2. Sohn des Grafen Ludwig II. der Springer in Th\u00fcringen und der Adelheid von Stade, Tochter von Graf Lothar Udo II.<\/p>\n<p>Ludwig I. machte an der Seite seines \u00e4lteren Bruders Hermann den Weimarer Erbkrieg, die Schlacht am Welfesholz gegen die Kaiserlichen unter Graf Hoyer von Mansfeld mit, nahm 1116 den Burggrafen Heinrich von Mei\u00dfen gefangen und tauschte ihn gegen den Vater aus. Nach der Verurteilung Hermanns von Winzenburg wurde Ludwig an dessen Stelle 1130 zum Landgrafen von Th\u00fcringen erhoben. Durch seine Ehe mit Hedwig, der Erbtochter des gr\u00e4flichen Geschlechts von Gudensberg, erbte er Gudensberg, das Kerngebiet von Hessen, dazu Marburg, Alternwied, Bilstein und die wichtigen Vogteien Hersfeld, Wetter, Fritzlar, St. Florian\/Koblenz und Breitenau. Er verst\u00e4rkte die Vormachtstellung der Familie in Th\u00fcringen, war zeitweise Gegner Kaiser LOTHARS III. wegen dessen machtvoller Burgenpolitik im Raum Th\u00fcringen und wurde nach dessen Tod Anh\u00e4nger der STAUFER.<\/p>\n<p>Karl Jordan: Seite 108<\/p>\n<hr>\n<p><strong>&#8222;Heinrich der L\u00f6we&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wesentlich anders gestalteten sich die Beziehungen des Herzogs zu den LUDOWINGERN, die seit der 2. H\u00e4lfte des 11. Jahrhunderts vom Th\u00fcringer Becken ausgehend sich allm\u00e4hlich einen gro\u00dfen Herrschaftsbereich geschaffen hatten und dabei auch nach Norden und Westen vorgesto\u00dfen waren. Durch eine geschickte Heiratspolitik brachten sie die Grafschaft Hessen in ihre Hand. Ludwig I., der als erster seines Geschlechts die neue W\u00fcrde eines Landgrafen innehatte, erhielt von Kaiser LOTHAR &#8211; allerdings nur vor\u00fcbergehend &#8211; die Grafschaft im Leinegau. Auf der anderen Seite schoben sich die neuen Erwerbungen Heinrichs des L\u00f6wen an der Werra wie ein Keil zwischen die Besitzungen der LUDOWINGER in Th\u00fcringen und Hessen.<\/p>\n<p>Hans Patze: Seite 193-211<\/p>\n<hr>\n<p><strong>&#8222;Die Entstehung der Landesherrschaft in Th\u00fcringen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Als Erben Ludwigs des Springers hinterblieben nur Ludwig und Heinrich, die ohne irgendwelche Schwierigkeiten in der Herrschaft folgten. Waren die Ehen der T\u00f6chter politisch nicht von Belang, so haben Ludwig, der sp\u00e4tere 1. Landgraf, durch seine Ehe mit Hedwig, der Tochter des Grafen Giso von Gudensberg, und Heinrich durch seine Ehe mit Hedwig (unbekannter Herkunft) das Ansehen des Hauses au\u00dferordentlich gef\u00f6rdert und die damit erheirateten G\u00fcter zum Ausgangspunkt einer bedeutsamen staatlichen Entwicklung gemacht.<br>\nDer 3. G\u00fcterkomplex, der durch die Ehe zwischen Ludwig und Hedwig an die LUDOWINGER gekommen war, lag am Rhein. Es waren Allode, die Kunigunde von Bilstein Giso IV. zugebracht hatte. Da sie dem Kloster Siegburg ein Gut in Braubach geschenkt hatte, das Ludwig best\u00e4tigte, waren von diesem Besitz noch die Grundherrschaft Rosbach an der Sieg, die Neuerburg, Altenwied und Bilstein, ferner eine Grundherrschaft am Nordufer der unteren Lahn (westlich des Selbach-Unterlaufes) \u00fcbrig geblieben. \u00dcberblickt man das gisonische Erbe der LUDOWINGER, so war es ein Gewinn, der mehr Verpflichtungen in sich schlo\u00df als er Nutzen brachte. Sein r\u00e4umlicher Umfang war gering und obendrein in mindestens 3 Komplexen zersplittert, von denen fast jeder von anderen Territorialgewalten umgeben war. Damit war die M\u00f6glichkeit zu einer F\u00fclle von politischen Verwicklungen gegeben, zugleich stand vor den LUDOWINGERN die Aufgabe, zun\u00e4chst diese Gebietstr\u00fcmmer, die ihnen der Zufall oder die Absicht einer Heirat eingetragen hatte, untereinander zu verbinden und dann den Zusammenhang mit ihren th\u00fcringischen Territorium herzustellen.<br>\nLOTHAR beantwortete die Gewalttat des Grafen Hermann von Reinhausen und Winzenburg mit seiner zeitweiligen Entsetzung. Hermann von Winzenburg hat damals nicht die Landgrafschaft Th\u00fcringen an den Grafen Ludwig verloren, die gab es noch nicht, aber der Aufstieg Ludwigs \u00fcber die anderen th\u00fcringischen Grafen datiert unverkennbar von dem Reichstag zu Goslar im Fr\u00fchjahr 1131, steht also in einem Zusammenhang mit dem Sturz des WINZENBURGERS. Dem K\u00f6nig kam die Entgleisung des Grafen sicher gelegen. Die Absichten, die er verfolgt haben mag, sind nur zu vermuten. In Th\u00fcringen war, um die politischen Verh\u00e4ltnisse zu festigen, eine \u00fcbergr\u00e4fliche Gewalt vonn\u00f6ten. F\u00fcr die Errichtung eines neuen Stammesherzogtums war es zu sp\u00e4t, und eine so starke Gewalt mochte dem K\u00f6nig nicht gelegen sein. Die Erhebung Ludwigs zum Landgrafen war ein Kompromi\u00df. Die Stellung und dem Titel nach war er ein Pedant zum Markgrafen, gewisserma\u00dfen ein Markgraf im Lande, rechtlich ein Graf \u00fcber Land, \u00fcber mehr als eine Grafschaft. LOTHAR wollte vermutlich durch diese Erhebung eine Kontrolle \u00fcber die Kr\u00e4fte gewinnen, denen er sein K\u00f6nigtum verdankte, und dazu geh\u00f6rte auch in erster Linie Adalbert von Mainz. Es ist wohl denkbar, dass er diesem in dem neuen Landgrafen ein Gegengewicht schaffen wollte. Auf der anderen Seite ist die Erhebung Ludwigs nur die Anerkennung einer tats\u00e4chlichen \u00fcbergr\u00e4flichen Stellung, die er erlangt hatte. Wir wissen nicht, in welcher Form seine Erhebung durchgef\u00fchrt worden ist. Nur langsam haben er und seine Nachfolger die W\u00fcrde rechtlich mit Inhalt erf\u00fcllt und politisch genutzt. Seine Stellung wurde allm\u00e4hlich einer herzogs\u00e4hnlichen, aber er hat nie den ganzen Stamm unter seine Gewalt gebracht.<br>\nIn der Reichspolitik war Ludwig I. zun\u00e4chst &#8211; was verst\u00e4ndlich ist &#8211; auf LOTHAR festgelegt, ohne dass er sich allerdings hervorgetan h\u00e4tte. Seine T\u00e4tigkeit beschr\u00e4nkte sich auf die Zeugenschaft in Urkunden des K\u00f6nigs, und auch diese l\u00e4\u00dft auf gro\u00dfe Zur\u00fcckhaltung schlie\u00dfen.1132 weilte Ludwig bei LOTHAR in M\u00fchlhausen. Am Romzug scheint er nicht teilgenommen zu haben. Dagegen wohnt er dem Hoftag bei, der im Mai 1134 in Merseburg stattfand. Von dort brach LOTHAR nach Schwaben auf, um Friedrich und KONRAD von Staufen niederzuwerfen. Auch hierbei ist ein Mitwirken Ludwigs nicht zu erkennen. 1136 bezeugte er die Stiftung des Klosters B\u00fcrgel mit. Damit sind die Ber\u00fchrungspunkte zwischen Kaiser und Landgraf schon genannt. Eine Intensivierung der Politik LOTHARS in Th\u00fcringen l\u00e4\u00dft sich beobachten. Sie kommt in mehreren Ma\u00dfnahmen zum Ausdruck. Durch Tausch mit dem Erzstift Magdeburg setzte sich LOTHAR in den Besitz der Burg Scharzfels. In diesen Rahmen geh\u00f6ren die Best\u00e4tigung des Klosters B\u00fcrgel, die Ausstattung von Walkenried und die Reformation des Klosters Homburg bei Langensalza. LOTHAR d\u00fcrfte auch auf die Erhebung von Ludwigs Bruder Udo zum Bischof von Naumburg eingewirkt haben.<br>\nDer Tod LOTHARS stellte f\u00fcr den Landgrafen vor eine wichtige Entscheidung. LOTHAR hatte seinen Schwiegersohn Heinrich den Stolzen zum Nachfolger bestimmt, aber von den F\u00fcrsten war der STAUFER KONRAD gew\u00e4hlt worden. Die LUDOWINGER mu\u00dften also ihre Wahl zwischen den beiden gro\u00dfen Geschlechtern treffen. Udo von Naumburg nahm zuerst den Kurswechsel auf die Seite der STAUFER vor. Er hielt sich 1138 bei KONRAD in Bamberg auf. Es mu\u00dfte den STAUFERN darauf ankommen, ganz Th\u00fcringen, die Mitte zwischen deutschem Nord und S\u00fcd, sich zu gewinnen. Das wurde ihnen durch die th\u00fcringischen Grafen erleichtert. Im Juli w\u00e4hlten in Quedlinburg neben Ludwig I. auch Erwin von Tonna, Sigebodo von Scharzfeld und Ludwig von Lohra die Seite des STAUFERS. Damit hatte sich das Land dem s\u00e4chsischen Einflu\u00dfbereich entzogen und sollte als Vorfeld in den K\u00e4mpfen zwischen WELFEN und STAUFERN eine Rolle spielen. Heinrich der Stolze f\u00fchrte zwar 1139 erfolgreiche K\u00e4mpfe in Sachsen, durch die Albrecht der B\u00e4r vertrieben wurde, brach aber zun\u00e4chst nicht nach Th\u00fcringen ein. Landgraf Ludwig, Sigebodo von Scharzfeld, Ludwig von Lohra, Ernst von Tonna fanden sich beim Heer KONRADS ein, das sich in Hersfeld zum Vorsto\u00df nach Sachsen versammelte. Freilich kam es dazu nicht. KONRAD gab den Feldzug auf, jedoch Heinrich der Stolze r\u00fcckte nach Creuzburg an der Werra vor. Ein 1-j\u00e4hriger Waffenstillstand sollte die Entscheidung vertagen, doch nahm der Tod dem WELFEN am 20. Oktober 1139 die Waffen aus der Hand. Der Kampf gegen Albrecht den B\u00e4ren, der sich in sein Herzogtum begab, um seine Herrschaft anzutreten, wurde zwar von den welfischen Parteig\u00e4ngern Erzbischof Konrad von Magdeburg, Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg und Graf Rudolf von Stade, mit dem Erfolg fortgesetzt, dass Albrecht der B\u00e4r sein Herzogtum abermals r\u00e4umen mu\u00dfte, aber diese Vorg\u00e4nge ber\u00fchrten Th\u00fcringen nicht. Hier hatte KONRAD III. inzwischen einen Erfolg errungen, der f\u00fcr das staufische Haus ebensowohl wie f\u00fcr die Landgrafen noch Nutzen tragen sollte: Ludwigs I. gleichnamiger Sohn wurde mit K\u00f6nig KONRADS III. Nichte Jutta, der Tochter des Herzogs Friedrich von Schwaben, verlobt. Diese Verbindung sicherte nicht unwesentlich die Kontinuit\u00e4t der LUDOWINGER in der Landgrafschaft. Schon zu Beginn des Jahres 1140, am 12. Januar, war Ludwig I. gestorben. Er hinterlie\u00df 3 S\u00f6hne. Ludwig sollte ihm in der Landgrafschaft folgen. Heinrich wurde Graf von Hessen: Auch der 3. Sohn f\u00fchrte den Leitnamen der Familie. Urspr\u00fcnglich hatte er in Reinhardsbrunn&nbsp; eintreten sollen, sich aber geweigert; er erhielt Thamsbr\u00fcck als Herrschaft zugewiesen.<br>\n\u00dcberblickt man den Lebensweg ders 1. Landgrafen, so verbla\u00dft er vor der Aktivit\u00e4t seines Vaters. Ludwig der Springer hat in den Jahren der Schw\u00e4che des K\u00f6nigtums seinen geh\u00e4uften Beitrag geleistet, um das Ansehen der Krone zu untergraben. Sein Sohn hat im wesentlichen die Fr\u00fcchte der Saat des Vaters geerntet. Ihn hatten die M\u00e4chte gef\u00f6rdert, die ihn brauchten. So bedeutet seine Regierung eigentlich keinen entscheidenden Schritt vorw\u00e4rts, obwohl er die Landgrafschaft gewann. Vielleicht lag es auch in der Natur der Sache, dass das in der Reichsverfassung neue Gebilde noch nicht unter ihm, sondern erst unter seinem Sohn st\u00e4rker hervortrat.<\/p>\n<p>Hans Patze\/Walter Schlesinger: Seite 18-20<\/p>\n<hr>\n<p><strong>&#8222;Geschichte Th\u00fcringens&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Die Regierung des 1. und des 2. LUDOWINGERS war territorialpolitisch durch den Ausgriff \u00fcber das Th\u00fcringer Becken nach Nordosten und Osten gekennzeichnet. Noch ehe Ludwig der Springer ins Grab sank, hatte er eine weitere Voraussetzung f\u00fcr die auf Jahrhunderte g\u00fcltige Gestaltung des mitteldeutschen Raumes geschaffen. Es waren die hessischen Heiraten seiner S\u00f6hne Ludwig, des k\u00fcnftigen Landgrafen, und Heinrich, des k\u00fcnftigen Grafen in Hessen.<br>\nIn Hessen tritt zwischen 1024 uns 1121 als Inhaber der Grafschaft Maden (s\u00fcdlich Kasel) ein Geschlecht entgegen, dessen 4 aufeinanderfolgende S\u00f6hne s\u00e4mtlich den Namen Werner f\u00fchrten. Ihre Besitzungen lagen nicht nur im n\u00f6rdlichen Hessen, sondern Werner II. ist auch als Inhaber einer Grafschaft im Neckargau bezeugt. Die Grafen Werner sind auch als Inhaber von Grafschaftsrechten in Markgr\u00f6ningen, mit denen das Reichsbanneramt und der Vorstreit im k\u00f6niglichen Heere verbunden war, nachgewiesen. Sie konnten von einer im Gebiet von Winterthur in Oberschwaben ans\u00e4ssigen edelfreien Familie abgeleitet werden. In Hessen besa\u00dfen sie au\u00dfer der zentralen Grafschaft Maden die Vogteien \u00fcber die Kl\u00f6ster und Stifte Kaufungen, Hasungen, Breitenau, Fritzlar und Weilburg und \u00fcber das Hochstift Worms. Als 1121 Werner IV. kinderlos starb, soll ein Graf Giso in sein Erbe eingetreten sein. Er geh\u00f6rte einem Geschlecht an, in dem dieser Name gebr\u00e4uchlich war. Die Grafen Giso erscheinen gleichzeitig mit den Grafen Werner vornehmlich im Raume n\u00f6rdlich Marburg. Seit 1099 begegnen sie als V\u00f6gte des Klosters Hersfeld. Der 1122 verstorbene Graf Giso IV. hinterlie\u00df aus der Ehe mit Kunigunde von Bilstein eine Tochter Hedwig, die vor 1122 den Grafen Ludwig von Th\u00fcringen heiratete. Dessen Bruder Heinrich verm\u00e4hlte sich mit Gisos IV. Witwe. Ihr Name wird von der Chronik des Klosters Goseck ebenfalls mit Hedwig angegeben. Ist dies richtig, so m\u00fc\u00dfte Giso IV. eine 2. Ehe geschlossen haben. Da sich der letzte GISONE nach Gudensberg, das gleich dem Grafschaftssitz Maden in der niederhessischen Ebene liegt, nennt, nahm schon H. B. Wenck Stammesverwandtschaft der Grafen Werner mit den Grafen Giso an, die allerdings genealogisch nicht zu erweisen ist. Die GISONEN folgten den Grafen Werner nur in einem Teil ihrer Besitzungen und Rechte.<br>\nOb das 1138\/39 als ludowingisch bezeugte Marburg mit Cappel und Oberweimar gisonisches Erbgut oder bereits Erwerbung der LUDOWINGER war, ist nicht zu entscheiden. Es scheint, dass sich beim Tode des letzten Grafen Werner Erzbischof Adalbert I. von Mainz entscheidend in Hessen eingeschaltet und unter anderem die Lehnshoheit \u00fcber die Grafschaft Maden gewonnen hat.<br>\nDie LUDOWINGER besa\u00dfen also in Hessen 2 getrennte Besitzkomplexe um Maden-Gudensberg im Norden und um Marburg-Wetter im S\u00fcden. Zwischen ihnen eine territoriale Verbindung herzustellen, mu\u00dften sie als ihre Aufgabe betrachten. Aus dem Erbe der Grafen von Bilstein besa\u00dfen sie in der N\u00e4he des Rheins Rosbach an der Sieg, die Neuerburg, Altenwied und Bilstein. Wichtig waren die Vogteien \u00fcber Breitenau, Hersfeld, Fritzlar und Hasungen.<br>\nEine \u00e4hnliche Politik der Aufl\u00f6sung geschlossener, alter Machtkerne, verbunden mit einer Einschaltung des Erzstiftes Mainz wie in Hessen, hat Adalbert I. in Th\u00fcringen betrieben. Der Erzbischof und der Graf Ludwig der Springer hatten gegen\u00fcber Kaiser HEINRICH V. dieselbe politische Haltung eingenommen. Es w\u00e4re denkbar, dass sich auch der Gegensatz Adalberts zu HEINRICH V. mit an dem weimarischen Erbe entz\u00fcndet hat, denn die Grafen von Weimar hatten auch mainzische Lehen in Besitz gehabt.<br>\nEs scheint nun, dass Adalbert I. nicht nur das Nachgeben des K\u00f6nigtums gegen\u00fcber der Kirche, wie es sich im Wormser Konkordat zeigte, sondern auch die territorialen Schw\u00e4chemomente k\u00fchl ausgenutzt hat. Man mu\u00df sich vergegenw\u00e4rtigen, dass in diesen Jahren, da in Hessen die Grafen Werner und die Grafen Giso ausstarben, auch in Th\u00fcringen mit dem Tod Ludwigs des Springers eine Situation eintrat, die ein geschickter Politiker nutzen konnte. Nach der R\u00fcckkehr aus der Gefangenschaft erwarb Adalbert dem Erzstift in Th\u00fcringen zahlreiche Besitzungen. Es ist nicht zu erweisen, doch es scheint denkbar, dass Adalbert I. von Mainz an der Erhebung des Grafen Ludwig zum Landgrafen mitgewirkt hat.<br>\nWas war vorausgegangen? 1130 hatte Graf Hermann von Winzenburg auf einem Kirchhof den Grafen Burchard von Loccum durch Ministeriale umbringen lassen. Kaiser LOTHAR beantwortete die Tat mit der zeitweiligen Entsetzung des Grafen. Historiographische Quellen bezeichnen Hermann von Winzenburg als principalis Thuringie. Man hat daraus geschlossen, Hermann sei bereits Landgraf gewesen und habe diese Stellung an Ludwig I. abtreten m\u00fcssen. Eine sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung der Quellenstellen l\u00e4\u00dft jedoch diese Deutung nicht zu.<br>\nMan kann nur sagen, dass Hermann von Winzenburg eine m\u00e4chtige Stellung im nordwestlichen Th\u00fcringen eingenommen hat. In Th\u00fcringen selbst ist er jedoch nie in Erscheinung getreten. Er war eine Art Gro\u00dfgraf. Nach dem Reichstag von Goslar im Fr\u00fchjahr 1131 erscheint nun Ludwig als Landgraf. F\u00fcr einen urs\u00e4chlichen Zusammenhang zwischen der Absetzung Hermanns und der Einrichtung des Landgrafenamtes haben wir keinen Beweis.<br>\nDer Landgraf ist in der Reichspolitik zun\u00e4chst nicht hervorgetreten. Es versteht sich aber, dass er sich an LOTHAR anlehnte, wie einige wenige Zeugenvorkommen zeigen. F\u00fcr die LUDOWINGER war es zweifellos von Wert, dass Udo I. zum Bischof von Naumburg erhoben wurde. Er hat sich, als KONRAD III. zum K\u00f6nig gew\u00e4hlt worden war, sofort auf die Seite der STAUFER gestellt. Schon 1138 erscheint er beim K\u00f6nig in Bamberg. Wenige Wochen sp\u00e4ter, im Mai 1138, hatte KONRAD III. die ma\u00dfgabenden Grafen Th\u00fcringens hinter sich: Landgraf Ludwig I., Erwin von Tonna, Sigebodo von Scharzfels, Ludwig von Lohra. Dies war f\u00fcr die staufische Politik ein wichtiger Erfolg; denn sie hatte die M\u00f6glichkeit, die drohende Vereinigung der WELFEN in Bayern und Sachsen zu verhindern. Zugleich war das Land aus der bisherigen engen Bindung an die in Sachsen vorwaltenden politischen Kr\u00e4fte befreit. Die eben genannten Grafen und Ernst von Tonna-Gleichen versammelten sich beim K\u00f6nig in Hersfeld. Freilich kam es nicht zu dem geplanten Vorsto\u00df nach Sachsen, wo Heinrich der Stolze Albrecht den B\u00e4ren vertrieben hatte.<br>\nKONRAD III. konnte das Band zu den LUDOWINGERN im Sinne und mit den Mitteln mittelalterlicher Politik bald enger kn\u00fcpfen: Ludwig II. wurde mit Jutta, der Nichte KONRADS III., verlobt.<br>\nBeim Tode Ludwigs I. 1140 folgte ihm sein gleichnamiger Sohn in der Landgrafschaft, w\u00e4hrend der zweite, Heinrich, die Grafschaft Hessen erhielt. Zwischen Hessen und Th\u00fcringen bestand also wiederum eine lose Bindung durch die Familie. Der 3. Sohn, Ludwig, wurde mit der kleinen Herrschaft Thamsbr\u00fcck abgefunden.<\/p>\n<p>Hilmar Schwarz: Seite 25-27<\/p>\n<hr>\n<p><strong>&#8222;Die Ludowinger&#8220;&nbsp;<\/strong> 1993<\/p>\n<p>Ludwig I. (1130\/31-1140) &#8211; ein Aufsteiger wird Landgraf<\/p>\n<p>Ludwig I. war der Sohn Ludwigs des Springers und seiner Gemahlin Adelheid. Nach der Familienfolge m\u00fc\u00dfte er eigentlich Ludwig III. hei\u00dfen, doch gewann er f\u00fcr das Geschlecht die Landgrafschaft Th\u00fcringen, und es ist allgemein \u00fcblich, bei einem derart gravierenden Zugewinn wieder von vorn zu z\u00e4hlen.<br>\nLudwig hatte mindestens 4 Schwestern und 5 Br\u00fcder. Seine Schwestern Kunigunde, C\u00e4cilie und Adelheid heirateten in th\u00fcringischen Grafenfamilien und st\u00e4rkten damit den Einflu\u00df der LUDOWINGER im Territorium. Ein Bruder namens Konrad verstarb bereits um 1110. Den anderen Bruder, Hermann, befreite im Jahre 1114 der Tod aus k\u00f6niglicher Gefangenschaft. Der 3., Graf Udo, schlug eine geistliche Laufbahn ein und wurde 1125 Bischof von Naumburg. Ein 4. wurde Heinrich Rase genannt.<br>\nDen Beinamen Raspe trugen in der Folge alle weiteren Heinriche aus dem Geschlecht der LUDOWINGER. Verschiedene Deutungen des Wortsinns sind versucht worden. Die einen glauben, ihn von edel und heldenm\u00fctig herleiten zu k\u00f6nnen, die anderen von ruhig. Man brachte ihn mit dem Schlo\u00df Raspenburg oder einer Herrschaft Rospe in Verbindung. Vielleicht hie\u00df &#8218;Raspe&#8216; der &#8218;Raffer&#8216;, der schnell etwas an sich zu rei\u00dfen versteht. In der damaligen Sprache, dem Mittelhochdeutschen, gab es das Wort &#8218;raspen&#8216; mit der Bedeutung von &#8218;zusammenraffen&#8216;.<br>\nHeinrich Raspe I. ehelichte eine Hedwig aus dem Geschlecht der GISONEN, die umfangreiche G\u00fcter in Hessen besa\u00dfen. Ludwig I. heiratete in die gleiche Familie, vielleicht die Tochter der Frau seines Bruders. Der Einflu\u00df der LUDOWINGER in Hessen war damit begr\u00fcndet, und bis zu seinem Lebensende konnte Ludwig den gisonischen Besitz in seiner Hand vereinigen. Sein Bruder Heinrich wurde 1130 ermordet und in Reinhardsbrunn beerdigt. Mit dem Tod des letzten m\u00e4nnlichen GISONEN im Jahre 1137 trat Ludwig I. das Alleinerbe an. Schon als er um 1130 die Landgrafschaft verliehen bekam, wurde dieser neue Titel nicht nur auf Th\u00fcringen, sondern auch auf Hessen bezogen.<br>\nNoch zu Lebzeiten ihres Vaters mischten Ludwig I. und Heinrich Raspe in den politischen Auseinandersetzungen kr\u00e4ftig mit. W\u00e4hrend der Gefangenschaft ihres Vaters nahmen sie die ludowingischen Interessen gegen\u00fcber Kaiser HEINRICH V. wahr. Sicherlich unterst\u00fctzten sie im Jahre 1125 die Wahl des s\u00e4chsischen Oppositionellen LOTHAR von Supplinburg zum deutschen K\u00f6nig.<br>\nDie N\u00e4he zum K\u00f6nig f\u00f6rderte Ludwigs Erhebung zum Landgrafen und damit in den F\u00fcrstenstand. Einige Chroniken bringen, wie bereits erw\u00e4hnt, diesen Aufstieg mit dem Fall des Grafen Hermann von Winzenburg in Verbindung und datieren ihn auf das Jahr 1130. Die f\u00f6rmliche Belehnung mit der Landgrafschaft Th\u00fcringen soll auf einem Reichstag zu Goslar im Fr\u00fchjahr 1131 vollzogen worden sein.<br>\nDer Titel eines Landgrafen wurde im 1. Drittel des 12. Jahrhunderts f\u00fcr Th\u00fcringen neu geschaffen. Er stand seinem Markgrafen oder Herzog sehr nahe. Der Landgraf \u00fcberragte die anderen Gro\u00dfen in Th\u00fcringen, ohne sie vollst\u00e4ndig zu beherrschen. Er bekam nicht ihr Territorium \u00fcbertragen, sondern nahm in der Landschaft bestimmte Rechte wahr, wie das Landgericht und die Friedenssicherung.<br>\nSeitdem er in den Besitz des Landgrafentitels gelangt war, fiel Ludwig I. keineswegs durch spektakul\u00e4re Aktionen auf. An der Seite des K\u00f6nigs nahm er an einer Reihe von Reichstagen teil. Nachdem 1137 LOTHAR III. gestorben war und 1138 KONRAD III. auf dem K\u00f6nigsstuhl gefolgt war, ergriff Ludwigs Bruder Udo, der Bischof von Naumburg, die Initiative. Er trat f\u00fcr die LUDOWINGER auf die Seite der staufischen Partei. Die Zeit des Machtkampfes zwischen den STAUFERN und WELFEN um die Vormachtstellung im Reich war ausgebrochen. Ludwig I. schlo\u00df sich an, indem er seinen gleichnamigen Sohn und Nachfolger mit der Nichte des staufischen K\u00f6nigs KONRAD III. verlobte. Am 12. Januar 1140 starb der 1. ludowingische Landgraf und wurde im Hauskloster Reinhardsbrunn begraben.<\/p>\n<hr>\n<p>Literatur: Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 305,347,359,354,361\/Band III Seite 306 \u2013<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ludwig I. &#8220;&nbsp; Landgraf von Th\u00fcringen (1130-1140) um 1090 &#8211; 12.1.1140 Reinhardsbrunn \/ Begraben: Kloster Reinhardsbrunn 2. Sohn des Grafen Ludwig II. der Springer in Th\u00fcringen und der Adelheid von Stade, Tochter von Graf Lothar Udo II. 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